Beitrag 1 von 4 (Dezember) - Mexiko in seiner vollen Pracht
Das hatten wir doch schon mal! Da auch tatsächlich Geröll auf der Straße sowie Wassermassen zunahmen, gab ich nach circa 40 Minuten Fahrt auf und fand Unterschlupf in einem der Dörfer entlang der Bergstraße. Um eine gute Stunde später die Fahrt wieder fortzusetzen. Ich bekam nämlich die warme Dusche im Hotel nicht mehr aus dem Kopf, hatte die Schnauze voll und wollte nur noch weiter. Jedoch wurde es immer dunkler. Erschwerend kam hinzu, dass mein Navigationsgerät wohl Wasser abbekommen hatte und etwas spinnte… Ob das gut geht?
Tatsächlich kam es an diesem späten Nachmittag zu einem Schlüsselmoment auf meiner Reise. Wenn hier die Nacht einbricht, dann wird es stockfinster. Das bisschen Licht an meiner Harley reicht mit Abstand nicht. Ich donnerte drei Mal in vermutlich riesige Straßenlöcher: zwei Mal flog ich gefühlte 20cm vom Sattel und hatte den Lenker zum Glück fest im Griff. Das andere Mal konnte ich gerade noch die Spur halten und nicht im Graben landen. Seitdem habe ich mir geschworen, dass ich nie wieder nach Einbruch der Dunkelheit fahren werde, sofern mir der Straßenzustand nicht bekannt sind!
Zum Glück sind die 2 nächsten Tage sehr entspannt gewesen. Bei einer Bullenhitze genoss ich Sonne, Strand und Meer in Puerto Escondido und versuchte mich etwas zu relaxen.
Am Sonntag, den 17.11. sollte ich endlich im Staat Chiapas ankommen. Da es aber entlang der Küste über die Mex-200 schleppend langsam voranging, würde ich Tuxtla Gutierrez oder San Cristóbal wieder spät erreichen. Gleich mal den Schwur in die Praxis umsetzen. Ich übernachtete auf halber Strecke, in Salina Cruz. Am Folgetag (Montag 18.11.) sollte ich es also erst recht bis nach San Cristóbal de las Casas schaffen.
Liebe auf den ersten Blick! Die Stadt gehört definitiv zu meinen Top 3, bis jetzt. Weltberühmt wegen ihrer Kolonialarchitektur scheint San Cristóbal auch eins der wichtigsten touristischen Ziele in Chiapas zu sein. Dass die Stadt den Beinamen Pueblo Mágico (magisches Dorf) hat, kann ich sehr gut nachvollziehen. Neben einem ergiebigen Stadtrundgang fuhr ich aber auch für einen Tagesausflug zurück in die Hauptstadt Chiapas, nach Tuxtla Gutierrez. Ein Must-Do in Tuxtla ist die Besichtigung des Canyon del Sumidero, der 60km lang und knapp über 1km tief ist. Hierfür ging es erst mal mit dem Boot auf Tour. Später am Nachmittag würde ich mir das Ganze von oben anschauen wollen, da es eine ausgebaute Strecke gibt, die an 5 miradores (Aussichtspunkte) vorbeiführt. Daraus wurde leider nichts, da "Dienstags immer geschlossen". Auch als ich sagte, ich sei extra aus Deutschland angereist, brachte es mich nicht weiter. Schade! Das Schöne daran: ich kehrte mit etwas Freizeit zurück nach San Cristóbal, gönnte mir eine parillada (Varietät an Fleisch, alles vom Grill) und schrieb meinen letzten Beitrag hier im Blog.
Fotos aus dem Canyon und aus San Cristóbal de las Casas:
Mittlerweile hatten wir den 20.11. und ich wollte eigentlich am 24.11. Mexiko verlassen. Aber auch nur aufgrund meiner Krad-Versicherung, die ich für genau 4 Wochen gekauft hatte. Ich muss aber nun leider eine fünfte Woche dranhängen! Es geht nicht anders; die ganze Halbinsel Yucatán steht mir noch bevor! Was nicht passt, wird passend gemacht.
Die nächste Teilstrecke ist also definiert. Ab zurück in den Norden, über Palenque und Campeche an die Golfküste. In Agua Azul nahm ich noch die bekannten Wasserfälle von Agua Azul mit. Eine Zwangspause wurde jedoch wieder fällig. Gegen 13 Uhr setzte tropischer Regen ein und da ich mich noch immer im Dschungel und in der Anhöhe befand, ging ich kein Risiko ein. Zum Glück gab es im Ort auch eine Übernachtungsmöglichkeit. Aber was für eine! Back to the roots! Strom über Generatoren, Ventilatoren die bei (gefühlten) 200% Luftfeuchte völlig unnütz sind. An diesem Tag bin ich kurz vor 18 Uhr ins Bett. Da die Fenster aus kippbaren Glaslamellen bestanden und nicht wirklich einen Schutz vor Moskitos gewährten, traute ich mich gar nicht, das Licht einzuschalten. Was bleibt einem da noch, außer schlafen? Es ist nicht alles so rosig… Aber die Wasserfälle habe ich genossen!
Zwangsläufig war ich am Folgetag richtig früh auf. In aller Ruhe bereitete ich mich auf die Weiterfahrt vor. Die letzte Etappe Mexikos stand mir bevor: die Halbinsel Yucatán. Ob ich noch an diesem Tag die Stadt Mérida erreichte, wagte ich zu bezweifeln. Schlecht wäre es nicht, da Harley-Davidson mit dem nächsten Kundendienst und einem neuen Hinterreifen auf mich wartete. Außerdem musste ich ganz dringend die Federgabel prüfen lassen!
Überstürzen wollte ich die Sache aber nicht. In Palenque war die Besichtigung einer zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden ehemaligen Mayametropole noch Pflicht. Ich kam in diesen 2 Stunden voll und ganz auf meine Kosten. Sehr hübsch! Tatsächlich schaffte ich es somit am Donnerstag nur bis Campeche und traf dafür gleich Mittags vom Folgetag Freitag 22.11. bei Harley in Mérida ein, die alles links liegen ließen um sich gleich um meine Sportster zu kümmern. Das ist der sogenannte Premiumdienst an Reisende - gibt es nur bei Harley!
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