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Eine Roadtrip mit der Harley durch Nord- und Mittelamerika



Fortsetzung...

Beitrag 3 von 4 (Dezember) - Kapitel Belize und Guatemala abgehakt


Voller Zuversicht und mit vollem Magen - tolles Frühstück bei Erva's - ging es am Freitag (6.12.) gegen 10 Uhr um die paar letzten Kilometer in Belize. Nach 15 Minuten war ich an der Grenze angekommen.


Lief alles wie geschmiert. Zu blöd, dass der guatemaltekische Beamte Luxemburg (Ausstellungsort meines Führerscheines) nicht kannte - ich wurde gezwungen, ein Copyshop aufzusuchen um sämtliche Papiere zu kopieren. Aber danach klappte es dann. Hauptsache, ich darf weiter. Ein bisschen Schwitzen gehört wohl immer dazu: wie schon in Belize als die Beamtin, neben meinem Fahrzeugschein, auch noch den Brief sehen wollte. Oje! Mit etwas Charmeeinsatz klappt es dann irgendwie immer… In Bezug auf Geld umtauschen trifft man hier, im Gegensatz zur vorherigen Grenze ein paar Tage zuvor, auch auf Händler nach der Grenze (Guatemala). Bitte merken und angehen: der Kurs ist nämlich etwas besser.


Weiter ging es über eine recht gute Schnellstraße nach El Remate, dem Dorf in unmittelbarer Nähe des Nationalparks Tikal. Scheinbar recht nett und tolle Preise, was Unterkünfte angeht. Trotz der Nähe zum Park (33 km). Zögernd lief ich in der posada del cerro ein um nach Zimmerpreisen zu fragen. Das Plakat unten an der Straße zeigte nämlich unglaublich tolle (und vermutlich teure) Hütten. Und siehe da: absolut erschwinglich. Ich bezahlte 200 Quetzales pro Nacht (25 US Dollar) und hatte eine wirklich schöne Hütte mit allem Drum und Dran (Außenbereich, Hängematte, Moskitonetz, Gecko für die Unterhaltung nachts) für mich ganz allein. Entspannung pur, mitten im Nirgendwo (und mitten im Dschungel)!


Am Samstag nahm ich mir also den Park Tikal vor. Zum Glück war der Tag etwas bewölkt und somit deutlich frischer. Die Stätte Tikal erstreckt sich nämlich über 16 Quadratkilometer und somit stand fest, dass ich an dem Tag wieder viel laufen würde. Also nichts gegen weniger Hitze einzuwenden. Da man mir in Belize erzählt hatte, dass die Strecke in den Park gepflegt sei, unternahm ich die Fahrt mit dem Bike. Etwas überrascht war ich beim Einlass, der 17 km weiter zurückliegt: 45 km/h sind vorgeschrieben. Und kontrolliert wird mittels Zeiterfassung. Wenn man also zu früh am zweiten Kontrollpunkt direkt am Parkeingang eintrifft, droht eine Geldstrafe. Nicht schlecht, sogar pfiffig!


Tikal war glücklicherweise einen Besuch wert. Am Abend gönnte ich mir auch noch das Dorf El Remate, was schätzungsweise 30 Gebäude (Wohnhäuschen, Bars, Restaurants, Hotels) groß ist.


Fotos der Posada del Cerro und des Parkes Tikal:










Trotz der knapp unter 300 km erreichte ich am Sonntag (8.12.) nur die Stadt Cobán. Diese paar Kilometer halten einen nämlich richtig auf, dank Tempobegrenzer (ja, es gibt sie auch in Guatemala) und kurvenreicher Strecken sowie stellenweise bescheidener Straßenkonditionen. Hinzu kommt, etwas seltener, dass es gar keine Straße mehr gibt! In Sayaxché war da plötzlich ein See. Komisches Gefühl, wenn man es nicht erwartet. Nach 30 Minuten war das Floß dann auch da und gegen ein Entgelt von 5 Quetzales (50 Eurocent) brachte man mich ans andere Ufer. Gegen 17 Uhr erreichte ich Cobán und übernachtete im ausreichend nettem hotel central direkt an der Plaza für schier unglaubliche 9 Euro (98 Quetzales).
















Mein nächstes Ziel sollte der wunderschöne lago (See) Atitlán sein, welcher zu den Hauptsehens- würdigkeiten Guatemalas zählt und von drei Vulkanen (Tolimán, Atitlán und San Pedro) sowie kleineren Ansiedlungen umgeben ist. Kurzfristig änderte ich die Route über die Hauptstadt da man mir geraten hatte, diese Hauptachse zu wählen. Ob das gut war, werde ich nie wissen, aber ich brauchte über 1 Stunde um aus der Hauptstadt wieder rauszufinden. Ohne Navi ist das alles nicht mehr so einfach! Aber das soll noch nicht alles gewesen sein. Für die letzten 50 Km entschied ich mich für eine Abkürzung, die auf der Karte nicht mal so schlecht aussah. Die Alternative wäre der Panamericana Highway, der mich locker dreimal soviel Zeit gekostet hätte. Zu blöd, dass ich auf halber Strecke zwischen Patzicia und dem See (Google Map) plötzlich eine Brücke fehlte. Straßenschilder rieten zur Überquerung durch den Fluss. Na klar, mit der tiefergelegten Harley! Oh Mann! Ich kehrte also um.


In Patzicia angekommen entschied ich mich spontan für ein neues Tagesziel: es sollte nun nur noch nach Antigua Guatemala gehen. Meiner Meinung nach eher zu schaffen, da es schon nach 16 Uhr war und ich bekanntlich nicht mehr bei Einbruch der Dunkelheit fahren wollte. Antigua sollte eigentlich nach Atitlán kommen, da ja auf dem Weg Richtung Honduras. Was soll's!


Bereuen tue ich diese Entscheidung nicht, aber es kam alles etwas anders. Die eher nicht-existente Beschilderung in Guatemala führte dazu, dass ich mich verfuhr. Im Glauben, auf dem Weg nach Antigua zu sein, verließ ich irgendwann die feste Fahrbahn und es ging dabei immer nur bergauf. Dunkel war es übrigens auch schon. Als ich dann am Horizont erste Lichter erkannte. Aber zu früh gefreut - Antigua war das nicht! Die 20-minütige Fahrt durch Schotter und Sand würde ich mir nun garantiert nicht geben. Also musste ich zwingend im Ort, dessen Name ich mir nicht gemerkt habe und dessen Standort nicht auf der Landkarte nachvollziehbar ist, eine Übernachtungsmöglichkeit in nicht-existente Hotels finden. Irgendwann stellte sich heraus, dass es eine Familie im Ort gibt, die gelegentliche Besucher aus dem Ausland aufnimmt. Ich konnte die Hausherrin überzeugen, mich aufzunehmen, da ich ganz unkompliziert meine Isomatte und mein Schlafsack nutzen würde. Die Abstellkammer war also gut genug für mich. Da ich noch essen wollte, bot man mir an, mich zu bekochen. Basics: Rühreier, Bohnen und Tortillas. Mein Bike konnte ich auch sicher unterstellen. Wie sich am nächsten Morgen herausstellte, war das der Tierhof, denn überall hüpfen und tobten Hühner, Truthähne und Schweine umher. Und meine Harley mittendrin! Hahaha!


Es blieb bei meiner Planänderung vom Vortag. Da ich nun wusste wie ich nach Antigua komme, erreichte ich am 10.12. nach einer guten Stunde die ehemalige Hauptstadt Guatemalas und war reif für Frühstück! Den Rest des Tages verbrachte ich mit Schlendern und Schlemmern. Antigua ist, mit ihrer barocken Kolonialarchitektur, wirklich sehr schön. Ich erfuhr im Übrigen dass La Antigua (alt bzw. antik) nicht die erste Hauptstadt Guatemalas war sondern die 6 Km entfernte Ciudad Vieja (alte Stadt), bis im 16. Jahrhundert eine Schlammlawine den Ort verwüstete. La Antigua wurde wiederum 1773 von einem Erdbeben völlig zerstört und somit verlegte man die Hauptstadt ein drittes Mal nach Guatemala-Stadt.

 

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