25. Dezember 2013 - Beitrag 4 von 4
Nach einer 2-tägigen Verschnaufpause in La Entrada war mir noch immer nicht klar, was ich in Honduras angehen könnte. Das Land scheint das am seltensten besuchte in Mittelamerika zu sein. Recht wenig habe ich in Foren und Blogs darüber gefunden, viele eher aber die Hinweise, dass weil dem so ist, die Staatsmacht in Straßenkontrollen geübt ist, in welchen es auch immer etwas zu bemängeln gibt. Damit kassiert werden kann - kann ich zum Glück nicht bestätigen, aber es ist wahr, dass ich überdurchschnittlich oft angehalten wurde. Es blieb überwiegend bei meiner Geschichte, die auch hier begeisterte und teilweise ein "high-five" hervorrief. Manchmal dachten die Polizisten dann noch dran und wollten auch wirklich die Papiere sehen.
Die dem Land im Norden vorgelagerten Inseln (nahe La Ceiba, Tela und Trujillo) sind noch eine Sehenswürdigkeit, aber diese reizten mich nicht. Strandurlaub gönne ich mir vermutlich wieder erst im Süden Nicaraguas, am Pazifik. Und mir kam wieder, dass ich doch auf der Durchreise bin. Ich schaffte es am 17.12. bis in die nahe der Grenze zu Nicaragua gelegene Stadt Choluteca. Die Fahrt ging über die Stadt Comayagua (Übernachtung), an der Hauptstadt Tegucigalpa vorbei, wo ich zufällig an einem Dunkin' Donuts vorbeifuhr und mich sofort (!) der Hunger packte! Komisch...
Die Grenze überquerte ich in El Espino, über die Panamericana. Hatte hier dann erstmalig das Vergnügen mit einem sogenannten Grenzhelfer, der sich als Beamter ausgab, mir seinen Ausweis vor die Nase hielt und mir Pass und Motorradgenehmigung aus der Hand riss. Welch ein Service! Würde mich aber noch früh genug wundern… Die ganze Chose kam mir immer eigenartiger vor: zugegeben sehr bemüht flitzte er hin und her, erklärte mir sämtliche Schritte auf Spanisch. Bat mich dann zum Schluss zur Kasse! Aha, da haben wir's! Dass sowas passiert, hatte ich bereits gelesen. War mir aber bis dato erspart geblieben. Vom Regelsatz von 10 USD kam er ganz schnell auf 5 USD runter. Ich gab ihm etwas Trinkgeld in der eigenen Landeswährung und erklärte ihm, dass ich zum einen Aus- und Einfuhrprozedur an den Grenzen bereits auswendig kenne, zum anderen meine Spanischkenntnisse ausreichend seien um klar zu kommen. Aber vor allem habe er mir den Dienst, der kostenpflichtig werden würde, nicht angeboten sondern "an sich gerissen". Nicht mit mir! War nicht ganz so einfach ihn loszuwerden, aber offensichtlich hat er es dann eingesehen. Oder doch nicht? Denn abschließend meinte er nur, dass der nächste "Kunde" für mich mitbezahlen würde. Traurig aber wahr. Einsicht geht anders!
Die gute Laune kam dann in Nicaragua wieder auf: nette Menschen, recht simple Abwicklung. Der Versicherer - in Nicaragua brauche ich wieder eine für mein Zweirad (12 USD) - kam eigenständig auf mich zu. Ich erfuhr nebenbei, dass der Eingangstempel aus Guatemala in meinem Pass auch für Nicaragua gilt. Sowie für Costa Rica und Panama.
Kurz vor 13 Uhr ging es weiter. Erstaunlich gute Straßen; ob das so bleiben würde? Rückblickend - heute ist der 24.12. - muss ich loswerden, dass mich Nicaragua bezaubert hat. Landschaftlich und fahrttechnisch wieder einmalig. Ich setzte also wieder meine Helmkamera ein, da nicht mehr ganz so verwackelte Aufnahmen zustande kommen. Mein Tagesziel, die Stadt Sébaco erreichte ich gegen 16 Uhr. Freute mich auf Abendessen im neuen Land und auf erste Rechercheergebnisse in Bezug auf das Land der Seen und Vulkane. Zeitlich war ich gut dabei, schließlich habe ich mich nicht zu lange in den letzten 3 Ländern aufgehalten.
Wie schon die Kradvagabunden (Panny und Simon) in ihrem Reisebericht geschrieben haben, sei die Strecke zwischen Matagalpa und Jinotega unfassbar gut. Musste ich selber erleben! Und tatsächlich konnte ich schon seit der Grenze mit ausgesprochen guten Straßenkonditionen rechnen. Endlich!
Mein Donnerstag (19.12.) hatte also einen guten Start. Am Vorabend hatte die Hausherrin im Hotel in Sébaco noch vom Naturreservat Tisey erzählt. Ich müsste zwar wieder etwas zurückfahren, aber es gäbe einen Aussichtspunkt kurz vor Estelí, an dem sich eine atemberaubende Vulkanlandschaft der Cordillera Los Maribios offenbart.
Also ging ich es an! Der Tag würde sportlich werden, denn final wollte ich unbedingt die Kolonialstadt Leon im Westen erreichen. Ausnahmsweise mal wieder früher aufstehen, aber es lohnte sich. Ich holte alles aus der Harley raus; endlich wieder normal fahren. Die Straße hoch nach Jinotega war wirklich sehr abwechslungsreich und vom Schwierigkeitsgrad her tragbar. Diese Ecke Nicaraguas (Estelí-Matagalpa-Jinotega) lege ich jedem ans Herz: landschaftlich wird sehr viel geboten. Nicht zuletzt aufgrund florierender Landwirtschaft, da die gesamte Region für den Anbau von Kakao, Kaffee und Tabak bekannt ist und das Landschaftsbild somit sehr stark prägt.
Tisey brachte ich dann mit unter. Mein Foto kann es nicht rüberbringen, aber den kleinen Umweg war es wert. Hat auch zeitlich gepasst, da ich gleich bei Don Luis zu Mittag aß. Die Ranch von Don Luis ist nämlich der Startpunkt des 300-Meter langen Pfades, den man zu Fuß ablegen muss. Fahrzeuge kann man auf dem Parkplatz des rancho abstellen; fairerweise sollte aber dann im Abschluss ein Drink drin sein. Don Luis könnte sonst "Eintritt" verlangen…
Die Weiterfahrt Richtung Leon gegen 14 Uhr war erwartungsgemäß richtig sanft. Und mal anders: auf der letzten Hälfte der Strecke hatte ich 4 Vulkane Nicaraguas direkt im Blickfeld, zwei davon rauchend: den perfekt geformten und wohl bekanntesten Momotombo und den bereits aus der Ferne sehr beindruckenden Telica. Leon dann wieder etwas ernüchternd. Wie gewohnt steuerte ich die plaza central an, in der Hoffnung Hotels zu finden. Ich kam nichts um Fragen herum, denn so offensichtlich war das nicht. Die Stadt wirkte sehr unruhig auf mich. Überall wirres Durcheinander. Dann setzte auch leichter Nieselregen an. Ich konnte es kaum erwarten, zur Ruhe zu kommen!
Um dem Tourimassen aus Granada zu entkommen, entschied ich, eine erste Nacht im etwas ruhigeren Masaya zu verbringen. Diese Entscheidung treffe ich das nächste Mal anders: die Großstadt Masaya hatte nichts Besonderes zu bieten. Einen Ausflug zum aktivsten und scheinbar meistbesuchten Vulkan Nicaraguas, dem gleichnamigen Masaya, hätte ich angehen können. Dafür war aber Granada unerwartet recht schön, obschon nur halb so groß! Eine nette Auswahl an Hotels, buntes Nachtleben entlang des calzado direkt an der plaza angrenzend, tolle Vielfalt an Essen und in meinen Augen die größte Menge an am besten erhaltenen Kolonialbauten. Vermutlich wird nicht zu knapp in die Stadt investiert.
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